Offener Bibelkreis

Nächste Termine (Treffen jeweils im Pfarrhof Hausen, Beginn: 20.00 Uhr):

  • 15. März 2018
  • 12. April 2018

Gedanken zu 6. Sonntag B Die Heilung des Aussätzigen Mk 1, 40-45

Auch diese Erzählung veranschaulicht die Präsenz der Gottesherr­schaft. Doch anders als in Kafarnaum zeigt sich hier der Glaube an das Evangelium, wie es in der Person Jesu dem Menschen begegnet

1. Ein Aussätziger kommt zu Jesus ... Ein Aussätziger ist wie ein Mensch, dessen Leben im Schatten einer aussichtslosen Gewissheit liegt. Vom Markte des Lebens vertrieben, öffnet sich ihm keine Tür mehr. Er gleicht einem Haus, das nicht mehr bewohnt ist und lang­sam verfällt. Der Aussatz zählte zu den schlimmsten Übeln, die einen Menschen treffen konnten. „Vier werden einem Toten gleich geachtet: Der Arme, der Aussätzige, der Blinde und der Kinderlose". Die Heilung eines Aussätzigen kam der Auferweckung eines Toten gleich. Nach rabbinischer Theologie betrachtete man einen Aussätzigen als einen von Gott gezeichneten Sünder.

Der Ausschluss von Aussätzigen aus der Gemeinde ist Lev 13,45 f. angeordnet. Er erfolgte primär aus kulti­schen Gründen. Israel soll ein reines Volk sein. Ein vom Aussatz Befal­lener machte nach rabbinischer Anschauung nicht nur das (kultisch) unrein, was er berührte, sondern schon das Betreten eines Hauses ver­unreinigte alles, was darin war. Selbst durch eine zufällige Begeg­nung mit einem Aussätzigen konnte man unrein werden. So mussten sie „abgesondert" leben (Lev 13,46), in zerrissenen Kleidern einherge­hen, ihr Haupthaar ungepflegt lassen, ihren Bart verhüllen und andere Menschen durch lautes Rufen: „Unrein! Unrein!" von sich fernhalten.

2. Ein solcher Art Gekennzeichneter und Ausgestoßener, ein lebendig Toter kommt zu Jesus. Er durchbricht die Bannmeile seines Schatten­daseins und bittet um Leben: „Wenn du willst, kannst du mich rein seiner Unterwerfung unter den souveränen Willen Jesu begegnet uns hier zum ersten Mal ein gläubiger Mensch. Er bittet um das Leben, das er sich selbst nicht geben kann. Es ist ein ungeheuerliches Gesche­hen, wenn ein Aussätziger es wagt, das mosaische Gesetz zu übertre­

3. Jesu Antwort wird von starken Emotionen begleitet. Bis in die Tie­fe seines Wesens ist er von dem jammervollen Zustand des Aussät­zigen ergriffen. Möglicherweise entspricht es der ursprünglichen Überlieferung, wenn Jesus hier mit Zorn reagiert, wie es einige Handschriften bezeugen. Seine Empörung rich­tet sich dann wohl gegen das Ausmaß von Entstellung und Zerstörung eines Menschen, der nach Gottes Bild geschaffen ist. Vielleicht ist hier aber auch die ganze innere Bewegung und Kraftanstrengung gemeint, die mit einem solchen Anblick von Leid und seiner Überwindung ver­bunden ist. Ein Wunder kann nur geschehen, wenn Jesus im Vertrauen auf den Beistand des Vaters sich mit der ganzen Kraft seiner Person riskiert. Er streckt seine Hand aus, berührt den „Toten" und erweckt ihn mit seinem Machtwort (hebr.: dabar) zu neuem Leben: „Ich will, sei rein!" Dieser schöpferische Machterweis an einem Ausgestoßenen und Verlorenen offenbart zugleich ein für jüdische Vorstellungen un­gewöhnliches Gottesbild.

4. Jesus schickte den Geheilten weg - mit einem absoluten Schweigegebot. Vielleicht deutet sich in dieser leidenschaftlichen Äußerung schon eine Ahnung des tödlichen Missverständnisses und der kommenden Aus­einandersetzung an. Die Auflage, der vom Aussatz Befreite solle sich dem Priester (in Jerusalem) zeigen und für seine Reinigung opfern, was Mose angeordnet hat (Lev 14,1-32), „ihnen zum Zeugnis", könnte je­denfalls ein deutlicher Hinweis auf Jesu Gesetzestreue sein. Es ist aber auch möglich, dass Jesus dem Geheilten mit großer Ein­dringlichkeit nahe bringen will, worauf es jetzt ankommt. Er soll in den Tempel gehen und sich Gott zeigen, der ihn dem Leben zurückgegeben hat. Der vom Aussatz Befreite aber hält sich nicht an Jesu Schweigege­bot. Er kehrt zurück auf den Markt des Lebens und verkündet überall, wie er zu neuem Leben erweckt wurde - und es geschieht Offenbarung …

Mit dieser Perikope geht die ruhige, unangefochtene Anfangsperiode des öffentlichen Wirkens Jesu zu Ende. In der folgenden Erzählung be­ginnt die Auseinandersetzung mit den religiös-politischen Führern des Volkes. Am Ende der fünf „galiläischen Streitgespräche" steht bereits ihr Entschluss fest, Jesus zu vernichten (Mk 3,6).

 


Irisches Segensgebet

Ich befehle dich dem Schutz Christi an,
ich wünsche dir Gottes Bewahrung,
dass er dich regiere, dich behüte,
mit dir sei
auf all deinen Wegen-
in Schwierigkeiten, in Gefahr, in Zeiten der Traue.

Und ich wünsche dir die Unbeschwertheit
des Heiligen Geistes,
dass er dich tröste und froh mache
und Neue in dir wecke -
jeden Tag, jede Nacht,
jede Nacht, jeden Tag.

(Kate Mcllhagga)